Das «Haus für die Zukunft»

Das Kinder- und Jugendzentrum des YMCA in Spitak. Eine Erfolgsgeschichte!

Das «Haus für die Zukunft» ist Realität!

Aus der Armenien-Partnerschaft ist über mehrere Jahre ein eigenständiges Projekt gewachsen, das nach langen Jahren der Vorbereitung zwischen 2008 und 2010 realisiert worden ist.

Als neues Zentrum des YMCA Spitak bietet das «Haus für die Zukunft» Raum und Möglichkeiten für die neuen Generationen in Spitak und Umgebung. Mit dem neuen Zentrum hat der YMCA die Möglichkeit seinen Betrieb selbsttragend durchzuführen und mittels einkommensgenerierenden Aktivitäten gemeinnützige Angebote zu subventionieren, sodass die wertvolle Arbeit des YMCA gesamtgesellschaftlich mutlipliziert wird!

Das "Haus für die Zukunft" – Ein Zuhause für die Zukunft!

Ein Kinder- und Jugendzentrum für Spitak, Armenien

Gemeinsames Projekt des Cevi Zürich und des YMCA Spitak


 

Geschichte

Das «Haus für die Zukunft» in Spitak: Eine Erfolgsgeschichte

Es schien mir, als würde das Gesicht meines Gegenübers von Minute zu Minute erröten. Den Mann, der da Vis-à-Vis von mir sass und sich ins Feuer redete, kannte ich gerade mal drei Wochen. Kennengelernt hatten wir uns im September 2001 am Flughafen von Yerevan, als er mit einem Blatt mit der Aufschrift «YMCA» auf mich wartete. Und nun sassen wir in einem Openair-Café im Stadtpark von Spitak und tranken gemeinsam einen weiteren der vielen armenische Kaffees, die ich während dieses ersten Armenien-Besuches meines Lebens getrunken habe. Es fiel mir schwer, der Stimme meines Tischpartners zu folgen. Das Geplätscher des Flusses, der direkt neben uns floss, liess meine Gedanken abschweifen. Und doch, als in in sein Gesicht blickte, spürte ich seinen Enthusiasmus förmlich. Ich realisierte sofort, dass wir gerade daran waren, etwas Neues, Grosses, zu tun. Und heute weiss ich genau, dass wir damals begonnen haben, Geschichte zu schreiben. Eine Geschichte, die mit der Vollendung des neuen Kinder- und Jugendzentrums des YMCA Spitak am 15. Dezember 2009 einen weiteren Höhepunkt ereicht hat und in welcher bestimmt noch viele weitere Kapitel geschrieben werden.

Als Hayk Khachatryan (bis März 2015 Leiter des YMCA Spitak) und ich dieses Gespräch im Stadtpark von Spitak geführt hatten, waren wir beide beseelt von der Idee der Erfüllung des grössten Traums unserer Partnerorganisation YMCA Spitak, die wir gerade mit einem Kugelschreiber auf eine Papierserviette skiziert hatten. Als eher pargamatisch veranlagte Menschen war es uns aber auch klar, dass die Realisation dieses Traumes eigentlich unmöglich war. Irgendwie fühlte ich sogar eine Art schlechtes Gewissen, da ich mit der Frage nach dem grössten Traum des YMCA Spitak einen Enthusiasmus ausgelöst habe, der mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht belohnt werden würde. Als junger Cevianer verfügte ich doch nie über die Möglichkeiten einen solchen Traum wahr werden zu lassen. Ich denke, das war etwa auch jener Moment, in dem ich bemerkte, dass das Gesicht von Hayk eher durch die flammend roten Wildreben über unseren Köpfen gerötet war, als durch seine Emotionen. Er war es denn auch, der mir auf dem Heimweg vom Stadtpark schliesslich zuraunte, ich solle seinen Worten nicht nach sinnieren, sondern mich auf die Realität konzentrieren.

Die Papierserviette, auf der wir die erste Skizze des «Hauses für die Zukunft» zeichneten, liessen wir auf dem Tisch liegen, doch die Idee habe ich zurück in die Schweiz getragen. Und ich wurde überwältigt von dem Wohlwollen, dass dieser, in meinen Augen so abstrakten, Idee entgegengebracht wurde.

Wir sind unendlich dankbar um den reichen Segen Gottes, der dieses Projekt vom ersten Moment an geliebt hat. Sein Wirken hat dem YMCA Spitak ein neues Zuhause geschenkt. Ein Haus, das bis weit in die Zukunft bestehen wird. Eine Geschichte, die noch lange nicht fertig geschrieben ist.

 

Adrian Künsch-Wälchli, Co-Geschäftsleitung Cevi Zürich


 

Projektbeschrieb

Ein neues YMCA Kinder- und Jugendzentrum in Spitak, Armenien. 

Die Kleinstadt Spitak im Norden Armeniens erlebte 1988 grosses Leid, als sie das Epizentrum eines grossen Erdbebens war. Die Wunden dieses Unglücks sind bis heute nicht verheilt. Die wirtschaftliche Lage ist so schlecht, dass es den meisten Einwohnern an Perspektiven fehlt. Vor allem Kinder und Jugendliche sind davon betroffen, dass es weder Spielplätze noch Angebote für sie gibt.

Der YMCA Spitak leistet seit 1994 in Spitak einen grossen Dienst an der ganzen Gemeinde. Heute bietet der YMCA Spitak Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive durch gut organisierte, allen offen stehende Programme wie ausserschulische Bildungsangebote (Englisch, Computer), Kindergarten, Ten Sing (Jugendchorprojekt), Puppentheater, Volunteersclub und einer Jungschargruppe. Die Programme stehen allen Kindern und Jugendlichen offen, egal welcher Herkunft. Die meisten Aktivitäten werden in einer provisorischen Baracke unter widrigen Umständen durchgeführt, dienen aber dennoch nicht nur den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen, sondern vielmehr der ganzen Gemeinde (Das Puppentheater des YMCA beispielsweise führt die selbst erarbeiteten Stücke regelmässig in verschiedenen Schulen Spitaks auf). Der YMCA Spitak bietet Kindern und Jugendlichen durch eine geregelte Tagesstruktur sowie Bildungsangebote einen Raum zur persönlichen Entwicklung.

Seit 2000 besteht eine internationale Partnerschaft mit dem Cevi Zürich (CVJM/YMCA Zürich) in der Schweiz. Im Rahmen dieser Partnerschaft konnten wir in den letzten Jahren ein grosses Projekt realisieren: Das Haus für die Zukunft!

Für die weitere Entwicklung und Ausweitung seiner Angebote benötigte der YMCA Spitak ein neues Gebäude, welches die Baracke, in welcher die Programme aktuell durchgeführt werden, ersetzt. Der Zustand der alten provisorischen Baracke bringt enormen Aufwand an Unterhaltsarbeiten. Regelmässige Reparaturen waren an der Tagesordnung und der Betrieb wurde durch die schlechte Bausubstanz stark beeinträchtigt. Zudem herrschte grosse Raumnot, welche die Programme bzw. den Betrieb ebenfalls stark einschränkte. Das neuen Zentrum bietet dem YMCA Spitak die Möglichkeit, seinen Betrieb, trotz der gesellschaftlich schwierigen Lage, selbsttragend durchzuführen, die Zahl der Begünstigten zu vergrössern und so seine Dienste der ganzen Region Spitak zu Gute kommen zu lassen. Es wird demnach als Investment gesamtgesellschaftlich mehrfach multipliziert.

Behörden, Bevölkerung und der YMCA Spitak sehen das neue Gebäude als Sinnbild und Treffpunkt für die junge Generation in Spitak, als offenes Gemeinschaftszentrum in der Mitte der Gemeinde.

Durch die Unterstützung des Cevi Zürich wurde dieses Projekt seit 2003 vorangetrieben. Per Ende 2007 hat der Cevi Zürich die Verantwortung über dieses Projekt übernommen. Mit der Hilfe zahlreicher Spenderinnen und Spender sowie einem grosszügig gewährtem Darlehen konnte das Projekt in den Jahren 2008 – 2010 realisiert werden.

Am 28. Mai 2008 wurden die Bauarbeiten nach einer ausführlichen Vorbereitungszeit und der Ausarbeitung der Detailpläne durch ein lokales Ingenieurbüro in Armenien feierlich gestartet.

Mit einer engen Begleitung durch Fachpersonen aus der Schweiz, allen voran unserem Baubegleiter dipl. ing. Dino Tellenbach, konnten wir das neue Kinder- und Jugendzentrum in Spitak innerhalb von zwei Jahren realisieren.

Am 1. Mai 2010 wurde das neue Zentrum des YMCA Spitak feierlich eröffnet!

Grundstück

Im Juni 2006 konnte der YMCA Spitak den Kaufvertrag für ein Grundstück von 1800m2 unterzeichnen.

Die Standortwahl war das Resultat einer durch den YMCA Spitak in Zusammenarbeit mit dem Cevi Zürich durchgeführten Evaluation. Das erstandene Grundstück liegt auf dem Gelände der ehemaligen Polizeistation, unmittelbar neben dem Stadtpark von Spitak gelegen. Da sich in der Nachbarschaft auch der neu erstellte Multisportkomplex der Gemeinde Spitak befindet, kam das neue YMCA-Center in einem idealen Freizeitquartier zu liegen. Das Stadtzentrum von Spitak ist sowohl zu Fuss als auch mit dem Auto innert weniger Minuten erreichbar. Die Zufahrt ist bis unmittelbar vors Gebäude möglich.

Das Hausbauprojekt in Spitak wurde durch den Cevi Zürich realsiert und von der Stiftung Horyzon, dem internationalen Arbeitsgebiet des Cevi Schweiz begleitet.
Der Cevi Zürich ist ZEWO-zertifiziert. Spenden sind steuerabzugberechtigt.


 

Erstes Solarkraftwerk in Spitak

Dank der grosszügigen Unterstützung der Stiftung Solarspar Schweiz konnte im Oktober 2013 eine grossflächige Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des «Home for Future» realisiert werden. Mit dieser Anlage deckt der YMCA Spitak seinen Jahresverbrauch an Elektrizität und mit einer zusätzlichen Überproduktion von 50% kann sogar noch fossiler Brennstoff eingespart werden.

Mitte Oktober 2013 ist ein lang gehegter Traum wahr geworden. Dank der grosszügigen Unterstützung der Stiftung «solarspar Schweiz» konnte ein Solarkraftwerk auf dem Dach des «Home for Future» installiert werden, mit welchem der YMCA Spitak seinen gesamten Jahresverbrauch an Strom selber decken kann.

Gemeinsam mit Freiwilligen aus dem YMCA Spitak konnten wir in 3.5 Tagen 67 Solarpanels aus deutscher Produktion, gefertigt von der Firma «Jurawatt», auf dem Dach montieren. Diese ergeben einen rechnerischen Energiegewinn von 17'000  kWh/Jahr. Die Installationsarbeiten wurden von Marcel Oklé, Intellisolar (Schweiz) GmbH geleitet, der auch die Planung und Konzeption der Anlage für uns ausgeführt hat, und durch dipl. ing. Dino Tellenbach begleitet, welcher schon für den Bau des «Haus für die Zukunft» zuständig war.

Da die ganze Anlage zusätzlich mit einem Optimierungssystem der Firma «SolarEdge» ausgestattet worden ist, kann damit gerechnet werden, dass die Energiegewinnung noch weitaus höher ausfallen wird. Diese «Überproduktion»  wird zurück in das staatliche Netz eingespiesen und nach armenischem Recht mit einer Vergütung im Verhältnis 1 : 1 entschädigt.

Diese neue Solaranlage ermöglicht dem YMCA Spitak einen unabhängigen Betrieb und wird als Vorbild für alternative Energien in der ganzen Region dienen. Sosensibilisiert der YMCA Spitak Kinder und Jugendliche für den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und macht alternative Energie in einem neuen Umfeld bekannt.

 

Adrian Künsch-Wälchli, Co-Geschäftsleitung Cevi Zürich