Armenienreise 2016

23. Juni bis 3. Juli 2016

Leitung: Adrian Künsch-Wälchli & Marlyse Walti

Begleitperson aus dem YMC Spitak: Venera Gyulazyan

 

 

 

Am 15. März 2016 um 19.00 Uhr hatte Cevi-Sekretär/-Geschäftsleiter und Armenien-Reiseführer Adrian Künsch-Wälchli zu einem Vorbereitungs- und Info-Treffen im Zentrum Glockenhof eingeladen. Dank meiner kürzlichen Pensionierung konnte ich nun endlich auch an einer der jährlich stattfindenden Armenien-Reise dabei sein. Die schönen Bilder und umfangreichen Reiseunterlagen machten mich/uns sehr neugierig.

So traf sich die kleine Reisegruppe bestehend aus Käthi & Ruedi, Andreas, Samuel, sowie Reiseleiter Adrian und Marlyse am Donnerstag, 23. Juni abends am Flughafen Zürich, um mit der polnischen Fluggesellschaft LOT nach Warschau und dann nach Tbilissi/Tiflis/Georgien (ca. 1 Mio Einw.) zu fliegen, wo wir gegen vier Uhr Lokalzeit (2 Uhr CH-Zeit) wohlbehalten aber etwas müde eintrafen. Ein vom Cevi Armenien organisierter Kleinbus brachte uns zum Hotel im Zentrum von Tiflis, wo wir bis am Mittag ausschlafen konnten. Inzwischen waren noch zwei weitere Reise-Teilnehmerinnen, Hayganusch und Amber, aus der Schweiz eingetroffen sowie ein Cevi-Leiter aus Spitak/Armenien, welcher uns begleiten wollte. Nach dem späten Frühstück stand eine abwechslungsreiche Stadtbesichtigung auf dem Programm. Am folgenden Tag besuchten wir in den Hügeln der Umgebung das über 1‘600 Jahre alte Dschwari Kloster und die antike StadtMzcheta, welche bis zum 6.Jh. fast 1000 Jahre lang die Hauptstadt des Königreichs Iberien (heute Georgien) war. Adrian informierte uns täglich mündlich und schriftlich ausführlich über die Geschichte der besuchten Orte, was diese Bildungsreise noch interessanter machte.

Am 3. Tag ging es weiter Richtung Armenien und Spitak, wobei wir unterwegs in den Bergen die eindrucksvollen Klöster Haghbat (9.-13.Jh.) und Sanahin (9.-10.Jh.) besuchten. Am späteren Nachmittag erreichten wir - nach einer holprigen Fahrt auf den sehr schlechten Strassen Armeniens – unser Ziel: das YMCA Spitak, wo wir von einer festlich gekleideten Delegation herzlich begrüsst wurden. Das „Home for Future“ wurde seit 2001 massgeblich vom Cevi Zürich finanziell und strukturell unterstützt – unter der Leitung von Adrian – und im Jahr 2010 eröffnet. Es bietet vielen Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive durch gut organisierte, allen offenstehenden Programme. Ganz Spitak wurde 1988 durch ein starkes Erbeben fast vollständig zerstört. Ausser dem YMCA gibt es hier aber auch heute (ca. 18‘000 EinwohnerInnen) weder Freizeitanlagen, Kino, noch Sportanlagen, einfach nichts! Am Abend wurden wir alle - zusammen mit vielen leitenden Cevianerinnen und Cevianern aus Spitak und Yerevan sowie dem lokalen Priester der Orthodoxen Kirche - zu einem feinen Armenischen Abendessen im YMCA-Zentrum eingeladen. Aus Anlass der 15-jährigen Partnerschaft übergab der YMCA Spitak dem Cevi Zürich eine schön gestaltete Holz-Gedenktafel für 15 Jahre Partnerschaft zwischen dem Cevi Zürich und dem YMCA Spitak. Später durften wir bei verschiedenen Eltern von YMCA-Mitarbeitern privat übernachten, was ein ganz besonderes Erlebnis für uns alle war.

Leider mussten wir bereits am folgenden Tag Spitak verlassen und weiter Richtung Sevan fahren, wo wir abends in einer schönen Hotelanlage direkt am Sevan-See (doppelt so gross wie der Bodensee, auf ca. 1‘900 m.ü.M.) wohnten und das geheizte Schwimmbad geniessen konnten.

Unterwegs besuchten wir Haghartsin, ein Kloster aus dem 11. Jh., welches aber immer wieder - wie die meisten anderen Klöster auch - mehrmals von ausländischen Herrschern wie z.B. den Osmanen/Seldschuken, Mongolen und Persern oder durch mehrere Erdbeben zerstört und doch wieder neu errichtet wurde. Tags darauf fuhren wir südwärts über den Selim-Pass (2‘410 m.ü.M.), wo eine alte Karawanserei aus dem Jahr 1326 in den Jahren 1956–1958 wieder hergestellt worden ist und wo früher die Seidenstrasse durchführte. Der lange und holprige Weg führte uns tief in den Süden von Armenien nach Goris, das in der Nähe von Bergkarabach liegt und wo letztmals im April 2016 bewaffnete Kämpfe zwischen Aserbeidschan und Armenien stattgefunden hatten. Die Zeit reichte sogar noch für einen Abstecher zum berühmten KlosterTatev (5.Jh.), welches durch eine von Garaventa-Doppelmayr (Schweiz / Österreich) kürzlich gebaute, 5‘752 m lange Seilbahn erreichbar ist.

Auf dem Weg Richtung Norden und der Hauptstadt Yerevan besuchten wir tags darauf u.a. Zorat’s Kharer, einen rund 30 Meter langen Steinkreis auf 1770 m.ü.M., bestehend aus 222 Monolithen (2-3 m. hoch, ähnlich wie Stonehenge in England) aus dem 2. Jahrtausend vor Christus (Bronzezeit). Das war sehr eindrucksvoll und sehenswert. Bald schon erblickten wir den 5‘137 m. hohen, schneebedeckten BergArarat (wo die Arche Noah gelandet sein soll; der höchste Berg im mittleren Osten), welcher aber auf türkischer Seite liegt und für Armenier nicht zugänglich ist. Seit dem  zwischen 1915 – 1916 von der Türkei verursachten Genozid (ca. 1,5 Millionen Tote) gibt es zwischen den beiden Ländern keine Beziehungen mehr. Gleich gegenüber auf Armenischer Seite steht das Kloster Khor Virap aus dem 5.Jh.. Mit dem Hintergrund des Berges Ararat ergab dies besonders pittoreske Fotos.

Die letzten 3 Tage und Nächte verbrachten wir in der modernen Hauptstadt Yerevan (1,5 Mio. Einw.) und besuchten in der Umgebung weitere alte Klosteranlagen (Garni 3.Jh., Geghard 4.Jh., sowie Etschmiadzin, den Hauptsitz der armenisch-apostolischen Kirche, von wo ab dem 3. Jahrhundert die Christianisierung durch den heiligen „Gregor den Erleuchter“ ausging. Auch dazu erhielten wir von Adrian umfangreiche Unterlagen und viel Wissenswertes vermittelt. Besonders faszinierend war ein Besuch der Teppichfabrik MEGERIAN, der Genozid-Gedenkstätte Tsitsernakaberd (mit ewiger Flamme) und des Genozid-Museums sowie der Springbrunnen-Anlage beim Republic Square, wo jeden Abend von 21-23 Uhr bunte Fontänen zu Musik aller Art zum Vergnügen von Touristen und Bewohnern sprudeln; das war bezaubernd und unvergesslich!

Viel zu schnell war unser Armenien-Abenteuer vorbei und wir mussten am 11. Tag um 2 Uhr die Rückreise nach Warschau und Zürich antreten. Jeden Tag schien die Sonne und in Yerevan war es sogar ziemlich heiss, ca. 35°C. Die Stimmung bei allen war trotz des vielen Reisens sehr gut. Adrian sorgte dafür, dass wir immer gutes, lokales Essen sowie Armenischen Wein & Bier kennen lernten. Allen, die noch nicht in Armenien waren, kann ich nur raten, sich für diese einmalig wunderschöne und interessante  Begegnungs- und Bildungsreise zu einem erstaunlich günstigen Preis mit bestens qualifizierter Reiseleitung baldmöglichst anzumelden! Die nächste Tour findet im Juni 2017 statt. Vielen Dank an Adrian und Marlyse für diese vergesslichen Erlebnisse und die gute Betreuung.                            

von Samuel Krähenbühl

Bildungsreise Armenien 2016

Es war der Donnerstag 23.6.16 als ich und meine Mutter, welche ebenfalls eine Armenierin ist, allerdings ursprünglich aus Istanbul stammend, unsere Reise nach Georgien/Armenien antraten. Schon viel hatte ich von diesen wundersamen Ländern welche in Mitten des Kaukasus Gebirges liegen gehört, doch noch nie war ich dort. Ich hatte viele Erwartungen und die Neugier hatte mich gepackt. Wie wird es wohl sein? Was werde ich die nächsten 10 Tage mit dem Cevi  erleben?

Nun gut, als wir in Tiflis ankamen, war es leider schon sehr spät. Ich konnte es kaum abwarten, wie wohl die Stadt sein würde. War es wie jedes Land des Orients?

Der nächste Tag war schliesslich grossartig. Tiflis war ganz anders als ich es mir jemals erträumt hätte.  Es ist der Schmelztegel von modern und alt, von Westen und Osten. Vom Kommunismus der lange in diesem Land präsent war, erkennt man nur wenig.

An diesem Tag war ich das erste Mal an einem georgischen Gottesdienst dabei, wobei ich sagen muss, dass dies der Rahmen meiner Vorstellungen sprengte. Mir war dort noch nicht bewusst, dass es tatsächlich noch andere Arten von Gottesdiensten gibt als Katholische, welche ich hauptsächlich hier aus der Schweiz kannte.

Zusammen mit unserem georgischen “Reisebegleiter“ Resi, welcher ebenfalls im YMCA in Georgien tätig ist, besuchten wir am Samstag Mzcheta, ein Kloster nicht weit von Tiflis liegt, welches der Anfang des georgischen Christentums war. Die Sage der heiligen Nino, welche die Religion ins Land brachte, packte mich sehr und ich war froh, dass wir einen Georgier dabei hatten, der uns viele Insider Infos gab.

 

Am Sonntag allerding, ging es weiter Richtung Armenien, der Moment auf welchen ich mein ganzes, man muss sagen noch nicht so langen Lebens, gewartet hatte.

Wir fuhren bis zum Kloster Haghbat, welches ich nun als mein Lieblingskloster deklarieren würde. Es war unser erstes Kloster in Armenien, das erste von neune, welche wir besichtigen würden. Die Schönheit, dieses spirituellen und alten Ortes, überkam mich wie eine Welle. Mir standen das erste Mal, und definitiv nicht das letzte Mal dieser Reise, die Tränen in den Augen.

Anschliessend besuchten wir auch noch das Schwesterkloster von Haghbat, Sanahin, welches nicht weit entfehrt war.

Am Sonntag Abend ging es dann Richtung Spitak, zum YMCA Haus, welches mithilfe des Cevi Zürich erbaut wurde. Gefeiert wurde traditionell Armenisch mit viel Essen, was mir allerdings schon bekannt war. Spitak an sich, ist ein eher ärmliches Städtchen. Doch wo alle nur das negative sahen, nämlich eher bescheidene Häuser und kaputte Strassen, konnte ich fast nur das schöne erkennen. Die Schönheit der Landschaft, die Freundlichkeit der Menschen, ich spürte wie ich doch ein Teil war, obwohl ich noch nie selber in Armenien war, es war wie als wär ich zu Hause. An dem Abend spielte ich Schach bei meiner Gastfamilie und obwohl ich kaum armenisch Spreche und eine Niete im Schach bin, bereitet mir es grosse Freude.

Die nächsten Tage waren pure Informationsfluten. Unsere Reise verlief über Sewansee, ins Gebirge über den Selim-Pass bis nach Garni und Tatev. Viele wunderschöne Klöster, Städtchen und Landschaften standen die nächsten fünf Tage auf dem Programm.

Schliesslich gelangten wir nach Yerevan, wo sich das Programm etwas änderte. Wir Besuchten an einem Tag das Genozid Museum, welches wie erwartet, ein einmaliges Ereignis war für alle von uns. Es lief mir während des ganzen Museumsaufenthalt einen Schauer den Rücken hinab. Der Anblick der vielen schrecklichen Bilder und Videos, trafen mich wie ein Schlag, mitten ins Herz.

Doch zum Glück gab es danach ein Kontrastprogramm und wir besuchten die Megarian Teppich Fabrik. Ich bewundere zu tiefst das Talent, das diese Frauen haben müssen, um einen Teppich von Hand so präzise knüpfen zu können. Was natürlich auch sehr von unserer Kultur abweicht ist das heruntermarkten des Preises. So wollten sie in der Fabrik meiner Mutter z.B einen Teppich für nur 250 Dollars andrehen. Spezieller Preis 250 statt 300; „Just for you because you are Armenians!“

Doch tatsächlich bemerkte ich auch später bei der Vernicage, der grosse Bazarplatz von Yerevan, dass ich oft einen Armenier Bonus hatte. Einige Dinge bekam ich sogar geschenkt, einfach nur weil ich ein Schwätzchen gehalten hatte mit älteren Damen, die so froh waren, dass eine Armenierin aus dem Westen das “Heimatland“ besucht.

Am letzten Tag schliesslich, ging es nochmals zu drei Kirchen. In Ezmiachin, welches der Vatikan der armenischen Kirche ist, sahen wir zum ersten Mal auf unserer Reise eine Kirche, welche nicht zerstört oder spärlich dekoriert war, sondern mit einigen Fresken schön geschmückt und voller stolz präsentiert wurde.

An diesem Abend, gab es noch ein grosses Goodbye bzw. Welcome essen, für die Berner Reisegruppe die nach uns die gleiche Tour nochmals rückwärts machen würde.

Es war für mich schwer Abschied zu nehmen, von allen den vielen herzlichen Menschen welche wir kennengelernt hatten. Noch schwerer war es, endgültig wieder zurück ins Flugzeug zu steigen.

Ich träumte in jener Nacht, als wir wieder in der Schweiz waren von Armenien.

 Es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein…

 

Von Amber-Louise Renold 

Impressionen Reise nach Armenien & Georgien 2016